Trau Dich!

Seit geraumer Zeit stelle ich mir vor eine Selbstheirat zu organisieren und heute am 14.02.2014 wäre eigentlich der perfekte Tag gewesen, das was ich mir da ausgedacht habe, in die Tat umzusetzen. Ich hatte auch schon mit einem befreundetet Pfarrer darüber philosophiert, wie eine Predigt für Selbstheiratswillige aussehen könnte und ob man nicht sowieso mal eine kirchliche Predigt über das Konzept der Selbstliebe im allgemeinem, im Christentum und in anderen Religionen und/oder Glaubensrichtungen halten könnte. Schließlich gibt es zahlreiche Bibelstellen, die den Ausspruch: „Liebe Deinen Nächsten, wie dich Selbst!“ beinhalten und beschwören nicht auch das achte Gebot:Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.“; das neunte Gebot:Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.“ und das zehnte Gebot:Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh noch alles, was dein Nächster hat.“ eine gewisse Selbstgenügsamkeit oder mit anderen Worten: Selbstliebe!

Ich glaube, dass Ganze hat angefangen als ich in dem Buch Die neue Medizin der Emotionen: Stress, Angst, Depression: – Gesund werden ohne Medikamente von David Servan Schreiber etwas zu Herzkoheränztraining gelesen habe. Der Zustand der Herzkoheränz wird erreicht, wenn man bewusst in sein Herz hinein atmet beziehungsweise wenn sich das aufeinander abgestimmte Zusammenspiel zwischen Atmung, Herzschlag und Blutdruck in einer physiologischen, also gesunden Form, im Zustand der Entspannung befindet. Somit können sowohl Yoga, als auch ein in sich versunkenes Gebet den Effekt der Herzkoheränz herbei führen. Man geht ja heut zu Tage nicht in die Kirche wegen Gott sondern für sich selbst, oder?!

trau dichIch bin garantiert nicht die Erste und werde sicherlich auch nicht die Letzte sein, die sich aus irgend einen Grund mit Selbstheirat beschäftigt. 2012 wurde Selbstheirat gar als ein neuer Trend beschrieben, schon 2003 hat sich eine Niederländische Produktdesignerin selbst geheiratet und in den USA kann man sowieso schon seit geraumer Zeit eine I-married-me-Box bestellen. Es gibt in den Medien nicht wenige kritische Stimmen, welche die Selbstheirat oder Selbsthochzeit als neurotisch oder gar nazistisch beschreiben. Eckart von Hirschhausen schreibt zum Beispiel: Die Selbsthochzeit klingt erst wie ein Witz, dann wie eine Bedrohung. Wenn die Gesellschaft vereinzelt – ist es dann noch eine? Ist das der pure Narzissmus, ist da die Liebe schon in den Brunnen gefallen, oder frei nach Woody Allen, ist Selbstbefriedung, Ich räume ein, dass meine Faszination für diese Idee auch mit meiner Großstadtsingelneurose zusammenhängen könnte, vielleicht oder wahrscheinlich hat dies auch etwas damit zu tun, (mal wieder) ein Ritual zu erfinden, das dabei hilft, mein Single-Dasein nicht (mehr) als Verlust zu erfahren!

Wie auch immer etwas für sich zu tun und dabei gleichzeitig den unerträglich kitschigen Valentinstag ein Schnippchen schlagen, kann nicht falsch sein. Alternativ zum Selbstheiratsgottesdienst könnte man auch das Gedicht: As I Began to Love Myself, welches Charlie Chaplin angeblich an seinen 70. Geburtstag vorgetragen hat, vorlesen, bevor die Selbsthochzeitsfotos angefertigt werden. Neu an meiner Fassung der Selbstheirat ist somit eigentlich nur das Selbsthochzeitsfoto und der Titel, denn nur im Deutschen ist „Trau Dich!“ so wunderbar doppeldeutig.

 

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